Nur unter Protest und Polizeischutz erreichten am Abend des 24.8.2026 gegen 22.05 Uhr zwei LKW mit Uran aus Russland die Brennelementfabrik in Lingen. Durch die Protestaktion unterstrichen die Anti-Atomkraft-Initiativen aus dem Emsland und Münsterland ihre scharfe Kritik an den verantwortungslosen Urangeschäften mit dem Kreml-Atomkonzern Rosatom. Die Uran-LKW hätten schon am Nachmittag vom Hafen in Rotterdam kommend Lingen erreichen können. Die Ankunft war aber verschoben worden, um den Protesten auszuweichen. Diese Rechnung ging am Abend nicht auf, weil Atomkraftgegner:innen mehr als acht Stunden vor der Uranfabrik ausharrten. Am frühen Abend hatten rund 80 Atomkraftgegner.innen mit einer Fahrraddemo und einer Kundgebung ihrem Unmut über den Einstieg von Rosatom in die Brennelementfertigung in Lingen Ausdruck verschafft.

Die Atomgeschäfte mit der EU sind eine wichtige Einnahmequelle des Kreml im Krieg gegen die Ukraine. Durch die am 22. Juli erteilte Genehmigung des niedersächsischen Umweltministeriums für die seit Jahren heftig umstrittene Brennelement-Kooperation zwischen Framatome und Rosatom in Lingen werden die Atomgeschäfte noch weiter ausgedehnt. Anti-Atomkraft-Initiativen fordern deshalb ein Ende aller Urangeschäfte mit dem Kreml sowie die Rücknahme der Genehmigung für die Brennelement-Kooperation.

„Alle Versuche der Bundesregierung, diese peinlichen und gefährlichen Urantransporte von Russland nach Lingen zu verheimlichen, sind gestern Abend gescheitert. Auch der ständige Hinweis auf mögliche EU-Sanktionen führt nicht weiter, weil er das eigene Nichtstun der Bundesregierung kaschiert. Zudem ist die Eigentümerin des Brennelementherstellers Framatome die französische Regierung. Und diese widersetzt sich allen Atomsanktionen auf EU-Ebene, weil die französische Atomindustrie vollkommen abhängig von der Kooperation mit Rosatom ist. Deshalb muss die Bundesregierung endlich eigene Sanktionen verhängen und alle Urangeschäfte mit dem Kreml in Eigenverantwortung sofort beenden,“ so Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen.

Auf der Demonstration in Lingen hatte der Alternative Nobelpreisträger Vladimir Slivyak von der in Russland mittlerweile verbotenen Umweltorganisation Ecodefense eindringlich vor den geopolitischen Ambitionen des Kremls im Atombereich sowie vor möglicher Spionage und Sabotage durch den Einstieg von Rosatom im Emsland gewarnt. Bettina Ackermann von .ausgestrahlt hatte zudem die vielen Ausnahmeregelungen im Genehmigungsbescheid des niedersächsischen Umweltministeriums kritisiert und eine Rücknahme der Genehmigung gefordert.